"Chräbbeli", weils so gekrabbelt hat, als ich sie erhalten habe. Dies soll ein gutes Omen sein, dass nie wieder etwas auf ihr rumkrabbelt.
11.12.2011
Heute bekam ich ein Mail von einer Tierretterin, kurz JP genannt, die mich anfragte, ob wir einen Kanarienvogel aufnehmen würden. Sie hatte ein Inserat im Ricardo gesehen. Eine einsame Kanarien-Henne mit kleinem Käfig wurde für Fr. 49.-- verkauft. Leider könne JP den Vogel aber selber nicht behalten, sei aber auf unsere Internet Seite gestossen.
Ich schaute mir den Link an und sah diese Fotos:
Ich war schockiert. Obwohl die Fotos nicht scharf waren, konnte ich doch gleich den schlechten Zustand des Vogels erkennen. Besonders die Füsse sehen ganz schlimm aus. Im Käfig selber befindet sich kein Sand und keine Badegelegenheit!
Ich schrieb JP zurück und teilte ihr mit, dass ich den Vogel aufnehmen werde, aber jedoch nichts zahle und auch den Käfig nicht wolle. Dieser Vogel sieht aus, als wenn hier noch einiges an Kosten auf mich zukommen können. Das ist es mir aber wert, Hauptsache, der Vogel wird gerettet.
14.12.2011
Heute war es soweit. JP bracht mir den Kanarienvogel. Ich hatte schon vorgängig den Quarantäne Käfig bereitgestellt, dass der kleine Piepmatz sofort einziehen kann.
Den Käfig hat sie mit einem grossen Tuch abgedeckt. Ich konnte nur etwas gelbes herumhüpfen sehen. Schnell trug sie den Kleinen in mein Büro. Als sie das Tuch abhob, erschrack ich schon sehr. Der ganze Käfig war ziemlich schmutzig, es befand sich nirgends Sand. Der Vogel selber hat viele offene Stellen an den Füssen. Es handelt sich um einen sogenannten Gloster-Kanarienvogel.
Ohne Probleme fing ich den Vogel ein. Schliesslich wollte ich ihn mir schon etwas genauer ansehen. Kaum hatte ich ihn in der Hand, krabbelten mir schon zwei widerliche Federlinge über den Handrücken. Iigitt- voll eklig, der arme Vogel! Da ich aber schon mit so etwas gerechnet hatte, griff ich schnell nach dem Frontline-Spray und behandelte den Vogel sofort. Auch seine Krallen wurden geschnitten und am Schnabel hatte er auch eine kleine Doformierung. Auch diese schnitt ich weg. Uebung habe ich genug darin, da ein Zebrafink von uns, diese Behandlung, alle zwei Monate über sich ergehen lassen muss. Wahrscheinlich eine Hormonstörung.
Die Füse sahen noch schlimmer aus, als auf diesem Foto. Sie waren noch ganz stark mit Kot verdreckt!
JP hatte schlussendlich "nur" Fr. 20.-- bezahlt. Den Käfig nahm sie netterweise auch wieder mit. Den hatte ich so schnell als möglich wieder nach draussen gestellt. Dankend verabschiedete ich JP nach einiger Zeit. Ich werde sie auch auf dem Laufenden halten.
Der Vogel sass sicher noch über 2 Stunden nur auf dem Käfigboden. Ständig kratzte sie sich am Kopf, diese Viecher sind halt schon eine Plage. (Mir erging es auch schon so...)Später dann flatterte sie wenigstens auf eine Stange. Was mir auffiehl war, dass ihr Schwanz ganz gerade nach unten zeigt. Dies ist kein gutes Zeichen. Eventuell hat sie auch noch weitere Parasiten im Körper oder eine Krankheit. Sobald sie sich etwas anklimatisiert hat, werde ich sie dem Tierarzt vorstellen. Fressen jedenfalls tut sie nun auch. Auch das mit Vitaminen besetzte Wasser nahm sie gerne auf.
15.12.2011
Ich habe nun dem Kanarienvogel einen Namen gegeben. "Chräbbeli", dies, damit es hoffentlich nie wieder auf ihr rumkrabbelt. Später bekommt sie dann vielleicht einen passenderen Namen.
Also, Chräbbeli hüpfte heute morgen neugierig im Käfig herum. Der Schwanz zeigt auch nicht mehr so stark nach unten, jedoch immer noch etwas und auch die Atmung ist nicht optimal. Das ständige Kratzen hat jedoch aufgehört. Am Nachmittag sah ich sogar, dass sie gebadet hatte. War das wohl ihr erstes? Auch das angebotene Frischfutter (etwas Lattich und Apfel) beknabberte sie sofort. Kanarien lieben ja Frischfutter über alles. Sonst war sie recht aktiv und neugierig.
16.12.2011
Als ich heute ins Zimmer kam, sass Chräbbeli weit unten auf einer Stange. Ihre Atmung geht etwas schwer. Die rotlicht Wärmelampe habe ich mal eingeschaltet. Vielleicht nutzt sie diese. Es scheint ihr schlechter als gestern zu gehen. Die Atmung geht wirklich schwer und sie sitzt auch oft am Boden und hat den Kopf in dern Federn (auf beiden Beinen, was auf eine Krankheit hindeuten kann). Heute rufe ich den Tierarzt an und vereinbare einen Termin.
Um 11.15 Uhr war ich nun bei Dr. Sandmeier, bzw. Dr. Kaiser. Ich schilderte ihm den Fall und er untersuchte Chräbbeli. Sie sei etwas dünn, Krabbeltierchen seien keine mehr zu sehen. Nur die Füsse solle ich auch nochmals mit Frontline-Spray behandeln, falls dort noch Milben sitzen. Er gab mir noch Baytril (Antibiotikum) mit, da sie ja doch etwas Atemnot hat. In der Luftröhre war jedenfalls nichts von Milben zu sehen. Eine kleine Kotprobe konnte gemacht worden, diese war negativ. Jedoch werde ich wohl später noch eine grössere vorbeibringen. Nun hoffe ich, dass Chräbbeli gut auf die Antibiotika-Kur anschlägt. Momentan sitzt sie zufrieden auf einer Stange und sieht nach draussen.
17.12.2011
Chräbbeli sieht heute wieder viel besser aus. Sie ist wieder rechts aktiv und hat auch schon ein Schönheitsbad hinter sich. Dies tut ihr wohl besonders gut. Ich nehme an, dass sie auch dies nicht kannte. Auch ihre Füsse sehen etwas besser aus. Wahrscheinlich hatte sie dort wirklich auch noch Milben. Mit dem rechten Bein hat sie manchmal etwas koordinations Schwierigkeiten. Eben habe ich sie sogar am Mineralstein gesehen. Sicher hat sie auch diesen das erste Mal benutzt.
18.12.2011
Jeden Tag sieht die kleine Chräbbeli besser aus. Die Schwanzstellung ist schon fast wieder ganz normal. Die Atmung ist noch leicht erschwert, aber nicht mehr ganz so schlimm, wie am Anfang. Wir sind sehr guter Hoffnung!
Das Gefieder am Kopf sieht zwar immer noch sehr schlecht aus, aber da sassen auch viele Federlinge und evtl. ist es auch noch etwas vom Frontline-Spray verklebt. Den Kopf badet sie eben nicht.
22.12.2011
Nun ist Chräbbeli schon eine Woche bei uns. Sie entwickelt sich wirklich sehr gut. Ich kann nicht einmal sagen, dass sie sich einsam fühlt. Sie reagiert überhaupt nicht, auf den Kanariengesang, der aus dem unteren Stock kommt. Vielleicht war sie sogar immer alleine. Lange muss sie dies aber nicht mehr machen. Doch 1-2 Wochen muss sie schon noch durchhalten!
30.12.2011
Chräbbeli wurde heute nochmals gegen die Federlinge behandelt. Gefunden habe ich zwar keine mehr, aber Eier könnten noch vorhanden gewesen sein. Bei der Behandlung habe ich unter ihrem linken Flügel eine entzündete Stelle entdeckt. Ich denke aber, dass ist alles auf die Federlinge zurückzuführen. Auch verliert sie momentan sehr viele Federn. Diese werden wohl erneuert, wie eine Spätmauser. Sonst geht es ihr aber sehr gut. Wenn ich am Käfig stehe und mit ihr rede, gibt sie mir schon immer Antwort.
Ihre Füsse sehen doch schon viel besser aus. Die schlimmsten Krusten sind weg.
1.1.2012
Die Silvesternacht hat ein Opfer gefordert. Unsere Tocher fand Tschippo, ein Kanarienhahn, heute morgen ganz aufgeplustert in der Aussenvoliere. Unter und an ihm entdeckte sie sehr viel Blut. Sie brachte ihn herein und wir sahen, dass sein Fuss stark verletzt ist. Wahrscheinlich hatte er sich in der Nacht ab den Feuerwerken erschreckt und sich an einem Ort in der Voliere verletzt. Natürlich wurde er sofort verarztet. Tja, dann bekommt halt Chräbbeli ihren ersten Partner bei uns!
War das schön anzuschauen. Kaum war Tschippo im Käfig, flog sie neben ihn hin und beäugte ihn ganz aus der Nähe. Tschippo fand das nicht gerade läss, schliesslich hatte er Schmerzen und dann auch noch der kleine Käfig! Er entfernte sich von ihr und ging an den Hirsekolben knabbern. Chräbbeli hatte diesen bisher nicht angerührt. Und siehe da: nun war auch ihre Neugier geweckt. Ah, das kann man ja essen! Und seither pickt auch Chräbbeli am Hirsenkolben rum. Tschippo wurde aber immer wieder ganz genau von ihr angeschaut. Bei den Futternäpfen gab es dann zwar erste Verteidigungen, doch dem habe ich abgeholfen, und noch einen dritten Napf mit Körnern eingehängt.
4.1.2012
Tschippo und Chräbbeli haben nun Freundschaft geschlossen. Sie sitzen meist nebeneinander. Tschippo schont seinen Fuss zwar immer noch, doch er sieht schon viel besser aus! Er bekommt aber immer noch ein schmerz- und entzündungshemmendes Mittel.
26. 1.2012
Chräbbeli und Tschippo leben nun seit rund 2 Wochen mit den anderen Vögeln in der grossen Voliere. Sie haben sich sehr gut eingelebt und wurden von den anderen gut angenommen. Chräbbeli sass anfangs lange auf dem Boden, schliesslich kennt sie die grosse Voliere nicht. Tschippo dagegen flog gleich auf eine Stange und wurde von dem anderen Hahn genauestens beäugt.
Chräbbeli mit einem anderen Kanarien-Hahn
Tschippo hat sich auch gut erholt. Leider hat er die Kralle, durch die Verletzung verloren. Die Zehspitze ist noch etwas geschwollen, aber er belastet den Fuss von Tag zu Tag immer mehr.
Tschippo mit Sugus. Sugus hat schlechtes Gefieder, da sie immer wieder Federzysten hat. Sonst ist sie aber fit und kommt gut damit zurecht, dass sie nicht mehr so gut fliegen kann.
Das Gefieder ist zwar noch ziemlich fluh-fluh, aber es sieht schon sehr gut aus. Die Federlinge hatten ja ganze Arbeit geleistet, dies ist aber jetzt vorbei.